Himmelfahrt des Propheten Mohammed

Akteure in der Integrationsarbeit in Marl - Geschichte und Gegenwart

Marl zeichnet sich durch eine jahrzehntelange Praxis in der Integrationsarbeit aus.
Schon seit dem Ende der 1970er Jahre bemühten sich seitens der Stadt Marl, der Wohlfahrtsverbände, Schulen, Kirchen, Unternehmen und zivilgesellschaftlich Menschen um Toleranz und Respekt, menschliche Nähe und Begegnungen, aufklärende Bildung und Kooperation.

Beispiele seit den Anfängen

Stadt Marl: Im Jugendamt wurde frühkindliche Bildung als notwendig erkannt: bei (türkischen) Einwanderungsfamilien wurde Werbung für eine Anmeldung der Kinder in den Kindergärten und für gezielte Fördergruppen mit Einwanderungskindern durchgeführt.
Daraus erwuchsen Bildungsreisen in die Türkei, zunächst sogar jährlich, in den 1980er Jahren, wo die Heimat der nach Marl eingewanderten Familien erlebt und erfahren wurde, mit den Zielen, Respekt vor der Herkunftskultur und deutsch-türkische Netzwerke zu initiieren und zu pflegen.
In diesem Zusammenhang entstand das Projekt „Intercent“ am heutigen Standort; es leistete pionierartige Begegnungs- und Bildungsarbeit mit Kindern, Jugendlichen (u.a. Mädchen) und Erwachsenen (u.a. Frauen). Mit Mitteln der Kruppstiftung wirkte hier ein interkulturelles Team von Frauen und Männern. Zu erwähnen ist auch die Initiative: „100 Marler BürgerInnen lernen 100 Worte Deutsch“ in der VHS „die insel“. Marl gehörte in den 1990er Jahren zu den Städten, wo vor entsprechender späterer Landesgesetzgebung ein kommunaler „Ausländerbeirat“ initiiert wurde. Schließlich öffneten sich alle politischen Parteien den Themen „Integration“, interkulturelles/interreligiöses Zusammenleben in Marl. Das ist bis heute so, auch wenn die parteipolitischen Profile naturgemäß unterschiedlich sind, gibt es einen Konsens pro Integration in Marl, in seiner Politik und Verwaltung. Nicht zu verschweigen ist, dass einzelne Schicksale von Flüchtlingen immer wieder Schlagzeilen in der örtlichen Presse hervorriefen und oft erst nach mutigem Eingreifen (einschliesslich Kirchenasyl) gelöst werden konnten. Vieles konnte dann auch mit der Ausländerbehörde in der Stadtverwaltung gelöst werden.

Wohlfahrtsverbände: die traditionelle bundesweit geregelte Zuständigkeit war klar: Caritas kümmerte sich um die Einwanderer aus den (katholisch geprägten) Ländern Italien, Spanien, Portugal, Diakonie entsprechend um die aus dem (orthodox) geprägten Griechenland und die AWO um die weder katholisch noch orthodox geprägten Einwanderer aus der Türkei. Entsprechend in Marl. Weil in Marl die Einwanderung aus der Türkei sehr bald in den 1970er Jahren ausgeprägt wurde, trat die AWO Marl mit Projekten zur Integration in Zentren am Hagenbusch, „intercent“ und Marl-Hamm hervor.

Schulen: bedingt durch die Wohnsituation entwickelten verschiedene Schulen in Stadtbezirken unterschiedliche Profile und Angebote mit Einwanderungskindern mit dem Ziel der gezielten Förderung und der Integration. Weitere Informationen zu den Marler Schulen und den Angeboten erhalten Sie hier.

Kirchen: Gemeindeglieder und PfarrerInnen in beiden Konfessionen wurden in den 1970er Jahren aktiv für Integration, vor allem im Sinne eines Dialogs im Alltag und im Leben zwischen Christen und Muslimen. Im Vordergrund standen nicht theologische sondern die sozialen Fragen. Weitere Informationen zu den Kirchengemeinden erhalten Sie hier.

Unternehmen: die beiden großen Unternehmen in Marl sind das Bergwerk Auguste Victoria und die  Firmen im Chemiepark Marl, früher: CWH, Hüls AG. Vor allem im Bergbau sind seit den 1970er Jahren sehr viele Einwanderer (aus der Türkei) beschäftigt, inzwischen in der 2. oder sogar 3. Generation. Die Organe des Bergwerks AV haben - entsprechend der auf Zusammenarbeit und Solidarität untertage vor Ort angelegten harten Arbeit - für Integration in all ihren Facetten gearbeitet. In der Chemieindustrie in Marl gilt „Rassismus“ als Kündigungsgrund; hier arbeiten inzwischen immer mehr Menschen mit Migrationshintergrund auch als Techniker, Meister. In den Betriebsräten und Vertrauensleutekörperschaften von Bergbau und Chemie sind Gewerkschafter mit Migrationshintergrund. Die Kampagne „Rühr meinen Kumpel nicht an“ der 1990er Jahre spricht für sich. In weiteren Unternehmen wie Apotheken, Arztpraxen, Handwerkerfirmen und Sparkasse/Banken trifft man Menschen mit Migrationsgeschichte, mehrsprachig und kompetent.

Christlich-Islamische Arbeitsgemeinschaft Marl (CIAG Marl): seit 1984 arbeitet die CIAG ununterbrochen und immer auch innovativ mit der Hand am Puls der Entwicklungen als Plattform meist ehrenamtlichen bzw. ehrenamtlich-professionellem Engagements in drei Richtungen:
Begegnung zwischen den religiösen Gemeinden und ihren Mitgliedern. Interkulturelles Lernen und Zusammenleben in den Schulen. Öffentlichkeitswirksame, große Veranstaltungen. Die CIAG bemüht sich, zwei Fehler zu vermeiden: den Fehler, Religionen zu ignorieren oder auszugrenzen - und den Fehler, Religion oder bestimmte religiöse Standpunkte/Organisationen zu verabsolutieren. Die CIAG arbeitet im Sinne der Selbstverpflichtung des Stadtrates der Stadt Marl zu Beginn der 1980er Jahre „Frieden in der Stadt“ und der weiteren Selbstverpflichtung von 2000 „Marl hat keinen Platz für Rassismus“ und der von 2008 „Marl als Ort der Vielfalt“. Weitere Informationen zur CIAG erhalten Sie hier.

Zivilgesellschaftlich gab es seit den 1970er Jahren in Nachbarschaften, Vereinen, Schulpflegschaften/Fördervereinen, Parteien und last but not least den Redaktionen der Marler Zeitung (und solange wie es die Marler Redaktion gab: der WAZ) viel Zustimmung. In Nachbarschaften wurden Geschichten erzählt, wie junge türkische Familien ältere deutsche Witwen zu ihrer Oma erkoren; wie man sich beim Einkaufen und kleinen „Dienstleistungen“ selbstverständlich half und kümmerte usw.. Die Medien unterstrichen reale Praxis und positive Nachrichten für förderliches Zusammenleben. Auch bei den beiden kritischen Debatten in Marl (Bau der Fatih-Moschee und Bauplatzsuche vor 15 Jahren, Nutzung des Minaretts der Fatih-Moschee für den Azanruf vor 10 Jahren) verhielten sich die Medien verantwortungsbewußt. Zivilgesellschaftliche Personen gründeten in den 1990er Jahren den Städtepartnerschaftsverein Marl-Kusadasi.

Hinweise zu Organisationen der Einwanderungsgeschichte in Marl - im Blick auf die Gegenwart:


Fatih-Moschee, DITIB: Sie ist die größte Moscheegemeinde in Marl und gehört zu den mitgliederstärksten im Bundesgebiet. Die ersten Moschee-Neubauten in Deutschland entstanden zeitgleich in Marl und in Pforzheim. Die Standort - Suche war zunächst durchaus konfliktreich. Seit die Fatih-Moschee am jetzigen Standort ist und nach und nach benachbarte Grundstücke integriert hat, gilt sie als akzeptiert und ein Schmuckstück im Portal zu den Stadtteilen Marl-Hamm und Marl-Hüls.

Yunus Emre Moschee, DITIB: Sie arbeitet in einem umgebauten früheren Lokal und war davor an der Kampstraße in einem früheren kleinen Laden untergebracht. Die Gemeinde bemüht sich um einen Neubau.

Kuba-Moschee, IGMG: Sie arbeitet in einem umgebauten früheren Wohnhaus und war vorher in einem kleinen Laden an der Römerstraße 65 neben der Pauluskirche untergebracht. Die Gemeinde bemüht sich um einen Neubau.

Süleymaniye-Moschee, VIKZ: Sie arbeitet in einem umgebauten früheren Kinosaal und kündigt mehr Aktivität in den beschriebenen Netzwerken an.

El-Khodr Moschee: Diese eher arabisch-wurzelnde Moscheegemeinde arbeitet in einem früheren Ladenlokal.

Aleviten: es gab jahrzehntelang ein alevitisches Gemeindeleben, mit meist monatlichen Cem-Riten im Saal des HOT boje, Brassertstraße. Derzeit laufen Bemühungen um einen neuen Anfang in einem neuen Gebäude in Marl.

Anschriften und Ansprechpartner aller Moscheegemeinden erhalten Sie hier.


Die hier genannten Moscheegemeinden sind im Integrationsrat Marl engagiert. Seit der Wahl 2010 gibt es noch intensivere personelle Verbindungen mit der CIAG Marl.

Die muslimischen Moscheegemeinden sind in Integration und für Dialog/Trialog (s. Abrahamsfeste Marl - seit 2001) engagiert und arbeiten in der Christlich-Islamischen Arbeitsgemeinschaft Marl zusammen mit Vertretern von beiden Kirchen, Schulen und Stadtverwaltung (s. Integrationsbeauftragte C. Greine) und Wohlfahrtsverbänden/Integrationsagentur Diakonie/Jugendamt (s. Stadtteilbüro „mittendrin“). Die CIAG Marl hat als SprecherInnen-Kreis derzeit 21 Personen der verschiedenen Religionen, (z.B. alle o.g. Moscheegemeinden), Migrationshintergründe, Berufe, Generationen und arbeitet vertrauensvoll in monatlichen Arbeitsbesprechungen. Weitere Informationen zur CIAG erhalten Sie hier.

Gefördert vom Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen

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